AMDs Pitcairn mit 768 SPs im Test: Der Chip, den es nicht gibt

Wichtiges Vorwort

Wir hatten bereits vorige Woche in einer News berichtet, dass wir beim Test einer neuen Radeon HD 7850 im seltenen Singleslot-Design auf eine Platine stießen, die keinen normalen Pitcairn-Chip mit 1024 Shader-Einheiten enthielt, sondern ein leistungsschwächeres Engineering-Sample mit lediglich 768 Shader-Einheiten. Nach regem Schriftverkehr und mehreren Telefonaten mit AMD und dem betreffenden Boardhersteller ließ es sich recht zweifelsfrei klären, dass es sich bei dem verbauten Exemplar um einen speziellen Chip handelt, der in dieser Form von AMD Shanghai lediglich für Entwicklungszwecke vertrieben wurde und in dieser Form nie in den Handel, geschweige denn in Testlabors wie unseres gelangen sollte.

Wozu dient ein solcher Chip dann? Für AMDs Boardpartner ist es wichtig, so früh wie möglich GPUs zu bekommen, um so die Boards entwickeln zu können. Andererseits ist es aus AMDs Sicht aufgrund von unvermeidlichen Leaks wiederum ein Anliegen, die Performance des finalen Produkts nicht schon zu früh erkennen zu lassen. Als Kompromiss dienen eben solche Engineering Samples wie jenes, mit dem wir es zu tun haben: Elektrisch und thermisch spiegeln sie gut den späteren Chip wieder und erlauben den Herstellern so relativ früh die Entwicklung ihrer Boards während AMD nicht befürchten muss, irgend etwas über die Performance zu verraten.

Wir möchten ausdrücklich darauf hinweisen, dass der von uns getestete Prototyp der Singleslot HD 7850 später mit einem regulären Pitcairn-Chip und 1024 Shader-Einheiten auf dem Markt erhältlich sein wird. Wir betonen auch, dass der von uns auf den nächsten Seiten veröffentlichte Benchmark-Durchlauf des Engineering-Samples rein theoretischer Natur ist, da AMD laut eigener Aussage derzeit keinen solchen Chip plant. Trotzdem fanden wir die gemessenen Werte extrem spannend und das ausschließlich positive Feedback in dem meisten Foren sollte Grund genug sein, diese für AMD eigentlich erfreulichen Ergebnisse in diesem Artikel mit den gespannten Lesern zu teilen. Es ist also ein reiner “Was-wäre-Wenn-Artikel”, zumal Träumen unbedingt erlaubt sein sollte.

Getesteter Prototyp: In den Handel wird diese Karte aber mit 1024 Shader-Einheiten kommen.Getesteter Prototyp: In den Handel wird diese Karte aber mit 1024 Shader-Einheiten kommen.

Was macht diesen Chip, der nie das Licht der Öffentlichkeiten erblicken sollte, aber nun so interessant? Nehmen wir, ohne den folgenden Benchmarks vorgreifen zu wollen, einmal Crysis 2 als Beispiel und setzen die in dieser Leistungsklasse üblichen Optionen: DirectX-11-Modus mit einer Auflösung von 1920 x 1080 Pixeln, AFx16, Qualitätsstufe auf Extrem und 2x MSAA. Eine Radeon HD 7850, die man derzeit ab ca. 210 Euro erwerben kann, schafft diese Anforderung spielend mit fast 41 Frames pro Sekunde, die nächstkleinere Karte in Form der ca. 110 Euro teuren Radeon HD 7770 scheitert jedoch mit 28 Frames pro Sekunde sehr deutlich an der Spielbarkeitsgrenze. Dazwischen klafft ein brutales Loch von 13 Frames pro Sekunde und 100 Euro Preisunterschied, die zwischen Spielbarkeit und Enttäuschung entscheiden. Die rechnerische Mitte zwischen beiden Karten läge bei ca. 160 Euro, respektive 35 Frames pro Sekunde. Und – tadaa – der von uns getestete Chip landet bei 36,5 Frames pro Sekunde. 

Genau diese Lücke ist es, die AMD eigentlich füllen sollte, denn es ist unnötig verschenktes und momentan auch unbesiedeltes Territorium. Der nachfolgende Test stellt also nicht nur die Werte des Testmusters dar, sondern reflektiert auch die Wünsche vieler Leser mit nicht ganz so prall gefülltem Geldbeutel. Wir hoffen, dass die Verantwortlichen diesen Artikel und die Kommentare aufmerksam lesen werden, denn auch wenn es eigentlich nicht zu unseren Aufgaben gehört, Firmen auf die Sprünge zu helfen – der Kunde möchte diesen Chip mit Sicherheit. Sogar mit möglichen kleineren Einschränkungen, auf die wir später noch zu sprechen kommen.

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