Intels SSD 710 im Test: SLC ist passé, jetzt kommt HET MLC

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In den größten Datenzentren und Supercomputing-Einrichtungen findet man oftmals die beste Computer-Hardware, um nicht zu sagen eine Computer-Ausstattung, die den normalen Anwender vor Neid erblassen lässt. In diesen Umgebungen, die auf High-Performance-Speicher angewiesen sind, erhalten oftmals SSDs mit Single-Level Cell (SLC)-Speicher aufgrund ihrer herausragenden Performance, der geringen Leistungsaufnahme und der hohen Zuverlässigkeit den Vorzug.

Als Solid-State-Speicher noch in den Kinderschuhen steckte, galten SSDs mit Multi-Level Cell (MLC) NAND als ungeeignet für den Einsatz in Servern, da hier viel geschrieben wird. MLC-NAND verträgt nämlich eine geringere Anzahl an Schreib-Lösch-Zyklen als SLC (Single Level Cell) NAND, bevor sich die Performance und schließlich die Lebenserwartung verschlechtert. Zudem sind die Schreibgeschwindigkeiten bei MLC langsamer als bei SLC-Modellen. Dazu kommt noch, dass MLC-Speicher auch noch mehr Leistung aufnimmt, was vor allem für Datenzentren, in denen möglicherweise einige Tausend Laufwerke im Betrieb sind, keine unwichtige Rolle spielt.

Im Großeinsatz: 5000 X25-E bei SoftlayerIm Großeinsatz: 5000 X25-E bei Softlayer

IT-Manager halten sich deshalb immer dann, wenn es in erster Linie auf Datensicherheit und Geschwindigkeit ankommt, lieber an SLC-Laufwerke. Insbesondere Intels X25-E, die wir bereits 2009 zum ersten Mal im Test hatten, gilt bei den Enterprise-SSDs als das Maß der Dinge.

Dennoch ist auch dort nicht alles eitel Sonnenschein. Wie der Name bereits vermuten lässt, bietet eine SLC-Speicherzelle nämlich lediglich Platz für ein einzelnes Daten-Bit, während MLC-Speicher zwei Bits speichern kann. Damit dürfte klar sein, dass die hohen Kapazitäten aktueller Laufwerke nur mit MLC-Speicher zu erreichen sind. Bei Intels X25-E ist hingegen bei 64 GB das Ende der Fahnenstange erreicht. Ein weiterer Nachteil ist der Preis. Das Spitzenmodell mit 64 GB kostet mehr als 750 Euro und damit knapp 12 Euro pro Gigabyte Speicher.

Könnten Hersteller eine Möglichkeit finden, die Vorteile von MLC-NAND ins Enterprise-Segment zu übertragen ohne dabei die Datensicherheit aufs Spiel zu setzen, gäbe es ein überzeugendes Argument dafür, größere SSDs in RAID-Arrays zusammenzufassen oder sie einzeln als Caching-Geräte in einem abgestuften Speicher-Subsystem zu nutzen.

Offenbar ist Intel der gleichen Meinung. Das Unternehmen hat die X25-E komplett auslaufen lassen, bringt stattdessen die neue SSD 710 heraus und stellt damit vom teuren SLC- auf erschwinglicheren MLC-Speicher um. 

Intel SSD 710Intel SSD 710

Obwohl Intels neues Datacenter-Laufwerk mit MLC-Flash ausgestattet ist, bietet dieses Produkt laut Unternehmen eine völlig andere Performance-Charakteristik als Intels Mainstream-Laufwerk SSD 320. Der NAND-Speicher der neuen Enterprise-SSD von Intel wird als “High Endurance Technology (HET) MLC” bezeichnet, und soll die Kapazitätsvorteile von MLC mit der Lebenserwartung von SLC-Speicher kombinieren.

Die Umstellung von SLC auf MLC gelingt natürlich nicht ohne gewisse Kompromisse, macht insgesamt gesehen allerdings Sinn. Berücksichtigt man den aufwendigeren Herstellungsprozess bei der SLC-Herstellung und die durch eine Massenfertigung möglichen Ersparnisse, dann kostet SLC NAND bei gleicher Speicherdichte laut iSuppli ungefähr vier Mal soviel wie MLC. Ein Laufwerk auf MLC-Basis ist für preisbewusste kleine und mittlere Unternehmen und große Datenzentren also deutlich erschwinglicher.

Modell Straßenpreis Preis pro GB
Intel X25-E 32 GB ab 450 Euro ~ 14 Euro
Intel X25-E 64 GB ab ca. 770 Euro ~ 12 Euro
Intel 710 SSD 100 GB ab 560 Euro ~ 5,60 Euro
Intel 710 SSD 200 GB ab ca. 1125 Euro ~ 5,62 Euro
Intel 710 SSD 300 GB ab ca. 1600 Euro ~ 5,33 Euro

Die Unterschiede beim Preis pro Gigabyte fallen ebenfalls deutlich aus. Bei der Markteinführung kostete das X25-E ungefähr 13 Euro pro GB. Mehr als zwei Jahre später, kurz bevor Intel bekannt gab das X25-E nicht mehr herzustellen, lag der Preis immer noch bei ungefähr 12 Euro pro GB – und das beim größeren Modell. Damit bleibt die X25-E aufs Gigabyte gerechnet auch aktuell noch etwa doppelt so teuer wie die neue SSD 710. Allerdings geht es hier nicht nur um eine reine Preisperspektive.

SSDs fürs Verbraucher-Segment mit einer Größe von 120 bis 160 GB liegen je nach Laufwerksgeneration derzeit bei ungefähr 0,90 bis 1,50€/GB. Somit dürfte eine SSD auf MLC-Basis mit 5€/GB schon ein paar Kritiker auf den Plan rufen. Allerdings bietet der HET MLC im neuen SSD 710 von Intel angeblich eine 30 mal höhere Lebenserwartung als preiswertere Consumer-MLCs. Geht man von der landläufig akzeptierten Angabe von 3000 Schreib-Lösch-Zyklen bei MLC der 25-nm-Generation aus, sollte HET MLC auf knapp 90,000 solcher Zyklen kommen. 

Mit diesen Werten will Intel IT-Managern, die nun keine X25-E mehr kaufen können und stattdessen die Anschaffung der SSD 710 im großen Stile prüfem müssen, die Angst nehmen. Ein deutlich niedrigerer Preis pro Gigabyte soll jene Kundschaft locken, die derzeit noch an magnetischem Speicher festhalten, da sie den Aufpreis für SLC-Speicher für ihre hochsensiblen Daten bislang nicht verschmerzen konnten.

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