AMD FX-8150 im Test: Der Bulldozer rückt an

Wie viel CPU braucht man wirklich? Zwei Kerne? Vier? Sechs oder mehr? Die Antwort hängt eigentlich immer davon ab, was man mit seinem PC vorhat. Unsere Erfahrungen haben gezeigt, dass beispielsweise Spiele am besten auf Rechnern mit mindestens drei Kernen laufen. Anders steht es bei Computern, die für die Videobearbeitung genutzt werden, denn Schnittprogramme können oft so viele Recheneinheiten einspannen, wie sie bekommen können. Andererseits sind viele unserer alltäglich genutzten Anwendungen wenig bis gar nicht parallelisiert.

Deshalb lautet die Antwort wie so oft, dass es auf ein ausgewogenes System ankommt. So kann man auch Flaschenhälsen und Bremsen im System vorbeugen. Auch AMD hat diese Vorteile entdeckt und könnte nun, als Hersteller von CPUs wie Grafikchips, davon profitieren, diese nicht ganz neue Erkenntnis ebenfalls zu predigen.

Doch wenn uns die Marketing-Präsentation zum neuen Flaggschiff-Prozessor von AMD zeigt, dass der Trend hin zu immer preiswerteren Computern geht, müssen wir natürlich auch eine für preiswerte PCs entwickelte CPU erwarten. Wir wollen zwar nicht gleich in den ersten Absätzen zu viel verraten, doch soviel vorweg: Wer erwartet hat, dass Bulldozer Sandy Bridge mühelos beiseite schiebt und auch Sandy Bridge-E gefährlich wird, muss seine Erwartungen deutlich herunter schrauben. Stattdessen will die Firma offenbar das wachsende Segment der Käufer ins Visier nehmen, die weniger Geld als bisher für Hardware ausgeben wollen.

Das ist ja an sich auch nichts Schlimmes, oder? Immerhin hat auch Sandy Bridge den Power Usern gezeigt, dass nicht unbedingt ein 1000-Dollar-Prozessor im System stecken muss, um extrem hohe Performance zu erreichen. Schon eine 200-Dollar-CPU mit offenem Multiplikator, die zuverlässig und stabil 4,5 GHz erreicht, konnte in einer Reihe von Desktop-Benchmarks Intels Gulftown-Modelle der Extreme Edition regelrecht davon rennen, und das nicht zuletzt im Spiele-Segment. Sollte AMD in diesem Markt ein besseres Preis-Leistungs-Verhältnis bieten können, wird sich wohl kaum jemand beschweren – und schon gar nicht wir.

Hier kommt die FX-Familie

Zumindest auf dem Papier kann die Auswahl an CPUs, die AMD vorstellen will, beeindrucken, denn sie scheint sowohl vollständig als auch konkurrenzfähig. Die FX-Familie umfasst sieben Modelle und reicht vom Spitzenmodell FX-8150 bis herunter zum FX-4100. Alle nutzen als Basis AMDs Zambezi-Design und werden bei Globalfoundries in einer Strukturbreite von 32 nm hergestellt. Die grob zwei Milliarden Schaltkreise passen so auf eine Die-Fläche von 315 mm². Damit liegt Zambezi zwischen seinen Vorgängern Thuban (346 mm²) und Deneb (258 mm²). Zum Vergleich: Intels Sandy Bridge bringt es auf 216 mm².
 

Modell Basistakt Turbo-Core-Takt Max. Turbo-Takt TDP Kerne L2-Cache (gesamt) L3 Cache Northbridge Freq.
FX-8150 3,.6 GHz 3,9 GHz 4,2 GHz 125 W 8 8 MB 8 MB 2,2 GHz
FX-8120 3,1 GHz 3,4 GHz 4,0 GHz 125 / 95 W 8 8 MB 8 MB 2,2 GHz
FX-8100 2,8 GHz 3,1 GHz 3,7 GHz 95 W 8 8 MB 8 MB 2,0 GHz
FX-6100 3,3 GHz 3,6 GHz 3,9 GHz 95 W 6 6 MB 8 MB 2,0 GHz
FX-4170 4,2 GHz 4,3 GHz 125 W 4 4 MB 8 MB 2,2 GHz
FX-B4150 3,8 GHz 3,9 GHz 4,0 GHz 95 W 4 4 MB 8 MB 2,2 GHz
FX-4100 3,6 GHz 3,7 GHz 3,8 GHz 95 W 4 4 MB 8 MB 2,0 GHz
 
Am einfachsten lässt sich das Portfolio in CPUs mit acht, sechs und vier Kernen unterteilen, die dementsprechend vier, drei oder eben nur zwei Bulldozer-Module enthalten. Die Modellnummern helfen dabei, die Chipkategorien auseinander zu halten:
Ein FX-8xxx besitzt beispielsweise acht Kerne, während ein FX-4xxx ein Quad-Core-Modell ist.

Die letzten drei Zahlen dienen hingegen zur Performance-Einordnung innerhalb der jeweiligen Chip-Gruppe. Sie geben weder direkten Aufschluss über Taktrate, TDP oder L2-Cache. Man muss sich einfach merken, dass innerhalb der FX-8xxx-Gruppe gilt “-8150 ist besser als -8120 ist besser als -8100.”

Alle FX-CPUs, egal ob mit vier, sechs oder acht Kernen, besitzen einen offenen Multiplikator. Je nachdem, wie sehr AMD nach Taktpotential selektiert (Stichwort: Speed Binning), könnte also das eine oder Schnäppchen dabei sein. Erinnern wir uns beispielsweise an den Launch des Nehalem-Prozessors 2008: Damals war der Core i7-920 der Publikumsliebling, weil er sich zuverlässig auf gut 4 GHz übertakten ließ und dafür extrem preiswert war. Es wird sich noch zeigen müssen, ob der Herstellungsprozess bei Globalfoundries ähnliche Übertaktungswunder hervorbringen kann.

Da AMD zunächst nur vier Modelle auf den Markt bringt, sind Verwechslungen praktisch ausgeschlossen. Ab heute sind folgende Modelle verfügbar: FX-8150, -8120, -6100 und -4100.
 

Modell Basistakt Turbo-Core-Takt Max. Turbo-Takt TDP Kerne offizieller Preis
(US-Dollar)
FX-8150 3.6 GHz 3,9 GHz 4,2 GHz 125 W 8 $245
FX-8120 3.1 GHz 3,4 GHz 4,0 GHz 125 W 8 $205
FX-6100 3.3 GHz 3,6 GHz 3,9 GHz 95 W 6 $165
FX-4100 3,6 GHz 3,7 GHz 3,8 GHz 95 W 4 $ 115
 
Dieses FX-Quartett setzt nicht nur preislich da an, wo AMD mit der Phenom-II-Reihe aufgehört hat. Der FX-4100 ist quasi der fließende Übergang von den Quads der Vorgängergeneration und kommt mit Taktraten von 3,6 bis maximal 3,8 GHz und einem Listenpreis von 115 Dollar in den Markt. Der FX-6100 mit sechs Kernen, einem Basistakt von 3,3 GHz und einer maximalen Turbo-Frequenz von 3,9 GHz soll offiziell 165 Dollar kosten. Für den FX-8120, der vier Bulldozer-Module mit insgesamt acht Kernen beinhaltet, die im Normalfall mit 3,1 GHz und im schnellsten Turbo-Szenario 4,0 GHz takten, setzt AMD 205 Dollar an. Beim Spitzenmodell FX-8150 liegt der Basistakt bei 3,6 GHz, der Turbo-Takt bei 4,2 GHz und die Preisempfehlung bei 245 Dollar.

AMD schickte uns für diesen Test nur eines der Modelle, nämlich den FX-8150. Wir hoffen aber, auch bald Eindrücke der anderen drei Varianten mit unseren Lesern teilen zu können. Bislang liegen uns noch keine Informationen darüber vor, wann die restlichen Modelle tatsächlich im Handel auftauchen werden oder wie viel sie letztlich kosten sollen. Ganz ehrlich – für uns ist das im Moment aber auch nebensächlich. Immerhin steckt in unserem Testsystem das schnellste Modell einer komplett neuen Prozessorfamilie. Außerdem haben wir auch unseren Benchmark-Parcours mit einigen neuen Programmversionen auf den neuesten Stand gebracht. Also: Los geht’s!

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