AMDs 990FX Chipsatz ist hier: AMD und SLI wieder vereint

Im allgemeinen testen wir immer dann neue Plattformen, wenn es auch eine neue Generation von Prozessoren zu testen gibt. AMDs 990FX-Chipsatz bildet aber eine Ausnahme, und es gibt gute wie schlechte Nachrichten:

Die gute Nachricht ist, dass AMD nach wie vor das Pro-Argument hervorragender Kompatibilität auf seiner Seite hat, denn der neue 990FX-Chipsatz unterstützt sowohl die aktuellen Sockel-AM3-Prozessoren als auch die kommenden AM3+-Modelle, die auf der neuen Bulldozer-Architektur basieren. Die schlechte Nachricht ist, dass eben diese Bulldozer-Prozessoren immer noch nicht startklar sind. Zwar befinden sich die ersten Bulldozer-Samples mit B0-Stepping derzeit bei den Mainboard-Herstellern, doch hören wir unisono die Aussage, dass die Performance noch bei weitem nicht den Erwartungen entspricht. Man erwartet, dass das nächste Stepping hier Besserung bringen soll.

Aus technischer Sicht spricht natürlich nichts dagegen, sich jetzt ein 990FX-Mainboard zu kaufen und einen der aktuellen Phenom-II-Prozessoren darauf zu setzen. Doch wer eigentlich mit einen Zambezi-Sechskerner liebäugelt, sollte besser einfach noch die paar Monate abwarten. Es sei denn, es gäbe einen anderen Grund für ein Board-Upgrade…

990FX: Wie der 890FX, aber garantiert kompatibel

Der 990FX-Chipsatz ist nicht nur funktional mit dem 890FX identisch – es handelt sich eigentlich sogar um denselben Chip. Laut AMD hat man den Namen geändert und mit einer höheren Zahl versehen, um damit die Kompatibilität mit den Bulldozer-CPUs zu signalisieren. Kurzum: Wer ein 990FX-Board im Handel sieht, soll sofort wissen, dass es fit für AM3+-CPUs ist. (Umgekehrt kann man wie erwähnt auch aktuelle AM3-CPUs nutzen.)

Um die verbesserten Stromspar- und Turbo-Funktionen der Zambezi-CPUs nutzen zu können, muss man allerdings den Sockel-AM3+ (alias AM3b) mit seinen 942 Pins einsetzen.

Umgekehrt gilt übrigens auch, dass AM3+-CPUs nach einem BIOS-Update in einem aktuellen AM3-Mainboard laufen werden. Es liegt natürlich am Mainboard-Hersteller, ein solches auch bereit zu stellen, und wie die Vergangenheit gezeigt hat, lassen sich da einige Kandidaten ein wenig mehr Zeit. Umso verständlicher ist, dass AMD von vornherein eine klare Aussage zum Thema Kompatibilität machen und eine garantiert passende Lösung vorstellen wollte: eben den 990FX.

Doch selbst mit einem neuen BIOS kommt man auf einem AM3-Board nicht iun den Genuss der erwähnten verbesserten Stromspar- und Turbo-Funktionen. Übrigens unterstützen 890FX wie 990FX HyperTransport 3.0 mit einer Datenrate von bis zu 5,2 GT/s. Laut MSI bringt der 990FX allerdings auch gleich HyperTransport 3.1 mit, das bis zu 6,4 GT/s erreichen soll. Dies hält offenbar mit den Achtkern-Zambezis Einzug.

Normalerweise stehen wir schlichten Umbenennungen ziemlich kritisch gegenüber, aber in diesem Fall betrachten wir es als notwendiges Übel. Auf jeden Fall gefällt uns dieser Ansatz besser, als bei jeder neuen CPU-Architektur mit dem Vorschlaghammer einen neuen Sockel einzuführen und den alten einfach abzuschreiben. Schöne Grüße an Intel, übrigens. Wie dem auch sei, im Endeffekt werden die meisten Enthusiasten vermutlich ohnehin Mainboard und Prozessor gleichzeitig aufrüsten und so Zambezi und 990FX kombinieren. Trotzdem ist es schön zu wissen, dass AMD nach wie vor auf die Kompatibilität achtet, und zwar in beide Richtungen.

SLI: Eine angenehme Überraschung

Relevanter als die Diskussion um AM3+ und Kompatibilität ist heute aber, dass die neuen 990FX-Boards auch wieder SLI behrrschen werden. Wenn sie wollten, könnten die Mainboard-Firmen SLI genauso für 890FX lizenzieren, wenn sie wollten. Keine der Firmen, mit denen wir in Kontakt stehen, scheint daran allerdings größeres Interesse geschweige denn konkrete Pläne zu haben. Stattdessen sieht es so aus, als werde man SLI einsetzen, um die beiden „Generationen“ von einander abzusetzen um so Gamer dazu anzuheizen, eben gleich Prozessor und Mainboard aufzurüsten, wenn AMD seine FX-Prozessoren (alias Zambezi) auf den Markt bringt.

Wie bei Intels Z68-Chipsatz sind SLI und CrossFire mit zwei Karten auch beim 990FX problemlos machbar. AMDs Chipsatz verfügt insgesamt über 42 PCI-Express-Lanes, und so steht jeder der Karten ein vollwertiger und voll beschalteter x16-Slot der zweiten generation zur Verfügung. Bei Intel muss sich jeder der Karten im Doppelpack hingegen mit x8 begnügen. Allerdings sollte man diesen „Vorteil“ nicht überbewerten, denn auch mit nur acht Lanes pro Steckplatz liefert die Intel-Plattform hervorragende Performance, wie unsere Artikelserie zum Thema Skalierung mit mehreren Grafikkarten deutlich zeigte.

Da der 990FX aber eine solche Menge an PCIe-Lanes mitbringt, braucht er im Gegensatz zu Intels Mainstream-Lösungen keine Unterstützung von Nvidias NF200-Chip um auch drei Karten gleichzeitig bedienen zu können. Die beiden 990FX-Boards, die ihren Weg in unser Testlabor fanden, kamen sowohl mit Zwei- als auch Drei-Karten-Konfigurationen (x16/x8/x8) zurecht. Ebenso natürlich mit Quad-GPU-Kombinationen mit zwei GeForce GTX 590 oder zwei Radeon HD 6990.

Da es noch keine AM3+-Prozessoren zu testen gibt, müssen wir uns beim heutigen Launch also auf den anderen Aspekt konzentrieren: Wir vergleichen die SLI-Performance mit einem Phenom II X4 980 gegen die eines Intel-Systems mit Core i5-2400, die jeweils auf zwei GeForce GTX 570 zurückgreifen können. Fairer kann man den Vergleich nicht gestalten: Das Asus Sabertooth 990FX soll mit 210 US-Dollar im Handel so viel kosten wie das P8Z68-V Pro, das die Basis unseres Intel-Systems darstellt, während der Core i5-2400 nur 5 Dollar mehr kostet als AMDs Phenom II X4 980. Da alle anderen Systemkomponenten gleich bleiben, haben wir es mit möglichst gleichen Startbedingungen zu tun.

Lohnt sich also ein Motherboard-Upgrade, um auch ein aktuelles AMD-System mit SLI ausstatten zu können? Genau das wollen wir auf den nächsen Seiten herausfinden.

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