Intel SSD 510: 250 GB mit 6 Gb/s SATA

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Mit der ersten SSD-Generation von Intel, der X25-M, wurden Solid-State-Laufwerke für Enthusiasten erstmals zu einer echten Alternative. Bis dato waren SSDs nämlich vor allem teure Spielzeuge für Power-User mit entsprechend großem Budget. Die X25-M ist zwar noch immer recht teuer, dabei aber aufgrund hoher I/O-Leistung und guten Leseraten für Workstation-Anwender eine ordentliche Wahl – genau diesen Markt wollte Intel ursprünglich erschließen.

Wir erinnern uns noch genau an das Briefing auf dem Intel Developer Forum 2008, als uns Vertreter von Intel erzählten, dass bisherige Erfahrungen eher ernüchternd waren. Aus diesem Grund wurden Ingenieure des Unternehmens eigens dazu abbestellt, einen eigenen SSD-Controller zu entwerfen. Damals bot die X25-M die beste SSD-Performance, die wir bis dahin getestet hatten (siehe Intel Flash SSD X25-M: Bewegung für Massenmarkt?). Dessen 10-Kanal-Architektur auf Basis von Multi-Level-Cell NAND Flash-Speicher arbeitete sogar noch schneller als einige Konkurrenten auf Basis des schnelleren und teureren SLC Flash-Speichers. Spiel, Satz und Sieg für Intel.

Durch dieses offensichtlich hohe Maß an Innovation durch Intel sahen sich Unternehmen wie JMicron, Indilinx, Marvell und SandForce dazu veranlasst, ihre eigenen Controller zu entwickeln bzw. zu optimieren. In der Zwischenzeit haben sich diverse Unternehmen die Performance-Krone immer wieder streitig gemacht. Auch wenn die X25-M von Intel nicht mehr ganz vorne mitspielen kann, so gilt diese SSD von Intel auch weiterhin als die Messlatte, an der sich SSDs messen lassen müssen. Die X25-M wurde mittlerweile überarbeitet und ist in zweiter Generation mit 34 nm NAND Flash erhältlich.

Kann Intel den Erfolg wiederholen?

Intel ist nicht Apple und eine SSD ist nicht so sexy wie ein iPhone. Potenzial ist dennoch da. Da das Unternehmen auf dem SSD-Markt Fuß fassen wollte und mit den existierenden Controllern nicht zufrieden war, hat Intel bei der X25-M keine halben Sachen gemacht und wusste am Markt zu beeindrucken. Heute ist die Konkurrenz allerdings ähnlich aktiv, so dass ein klarer Sieg nach Punkten in wichtigen Testkategorien schwieriger darzustellen scheint. Es stellt sich also die Frage, wie Intels Nachfolger der X25-M aussehen würde.

Man kann sich also gut vorstellen, wie überrascht wir waren, als sich Intel vor wenigen Wochen mit dem Status-Quo derzeitiger Controller plötzlich zufrieden gezeigt hat und für die kommende Laufwerksgeneration allen ernstes Komponenten von Drittanbietern verwendet.

Einerseits macht das Sinn, den das ursprüngliche Ziel hat Intel erreicht. Intel-SSDs waren primär als Schlüssel für maximale Performance von Nehalem-Plattformen gedacht (Core i7 der ersten Generation). Deren Performance war, wie dies bei allen High-End-Systemen auch heute noch der Fall ist, von konventionellen Festplatten auf basis rotierender Magnetscheiben klare Grenzen gesetzt. Intel hat seine ursprüngliche Mission in dieser Hinsicht also erfüllt. Gute SSD-Laufwerke wie die X25-M führen dazu, dass weder der Computer noch der Anwender noch merklich auf Datenlieferungen von und auf eine Festplatte warten müssen.

Andererseits hat der Konkurrenzkampf auch etwas für sich – in dieser Hinsicht ist Intels Entscheidung eher schade. Die SandForce-Laufwerke zählen bekannterweise zu den schnellsten derzeit erhältlichen Produkten. Die zweite Generation dieser Produkte ist allmählich in Form von OCZs Vertex 3 im Einzelhandel erhältlich. Die Entscheidung, einen anderen Controller-Hersteller als SandForce zu benutzen, wirkt deshalb fast schon, als ware der Konkurrenzkapf nicht zu gewinnen.

SSD 510: Das Innenleben

Tatsächlich entscheidet sich Intel bei diesem Laufwerk für den 88SS9174 von Marvell. Das ist allerdings nicht der gleiche 88SS9174-Controller, der auch in der RealSSD C300 von Crucial eingesetzt wird. Dieses Modell heißt BKK2 und gehört zur zweiten Generation von Marvells 6 Gb/s-Controller. Die RealSSD C300 verwendet den –BJP2 erster Generation. Bislang hatten wir noch keine Möglichkeit, ein Produkt mit BKK2-Chip zu testen. Laut Intel hat das Unternehmen die Firmware der 510-SSD selbst entwickelt und die Performance des Laufwerks für spezifische Anwendungen optimiert. Das sorgt für  Überraschungen, auf die wir im Benchmark-Abschnitt näher eingehen werden.

Intel verwendet zudem 34 nm NAND Flash-Speicher aus eigener Herstellung. Angesichts der aktuellen Meinungsverschiedenheit bezüglich der Umstellung auf 25 nm Flash ist das interessant. Das Unternehmen bietet die 510er-SSD in Kapazitäten von 120 GB und 250 GB an. Das Modell mit 250 GB nutzt 16 Multi-Die Packages, von denen jedes mit 16 GB zur Gesamtkapazität des Laufwerks beiträgt. Intel stattet die SSD zudem mit 128 MB DDR3-1333 von Hynix aus, die als schneller Zwischenspeicher dienen. Natürlich passen beide Laufwerke in den bekannten 2,5” Formfaktor mit 9,5 mm Bauhöhe.

Das Zusammenspiel der Hardware führt zu einem erstaunlichen Datenblatt, sofern man von bereits vorhandenen SSDs mit 3 Gb/s und die große Anzahl an Konkurrenten ausgeht, die erst kürzlich von der OCZ Vertex 3 aufgemischt wurden (siehe OCZ Vertex 3: SandForce 2.0 für die Massen).

Die Random Read und Write-Performance des 250 GB-Laufwerks ist niedriger als die der X25-M. Im Gegensatz dazu liefert die Vertex 3 von OCZ bei 4 KB Random Writes bis zu 60 000 I/O Operationen pro Sekunden. Intel ist bei sequentiellen Lesevorgängen deutlich stärker und erreicht über eine 6 Gb/s-Verbindung bis zu 500 MB/s. Das OCZ-Laufwerk dürfte bei Schreibvorgängen allerdings einen Vorteil haben und statt der 315 MB/s von Intel ganze 525 MB/s bieten.

Intel SSD 510 250 GB Intel SSD 510 120 GB OCZ Vertex 3 240 GB Intel X25-M G2 160 GB
Sequentielle Lese-Performance Bis zu 500 MB/s Bis zu 400 MB/s Bis zu 550 MB/s Bis zu 250 MB/s
Sequentielle Schreib-Performance Bis zu 315 MB/s Bis zu 210 MB/s Bis zu 525 MB/s Bis zu 100 MB/s
Random Lese-Performance Bis zu 20 000 IOPS Bis zu 20 000 IOPS Bis zu 35 000 IOPS
Random Schreib-Performance Bis zu 8000 IOPS Bis zu 8000 IOPS Bis zu 60 000 IOPS Bis zu 8600 IOPS
NAND Flash-Komponenten 34 nm MLC 34 nm MLC 25 nm MLC 34 nm MLC
Raw NAND 256 GB 128 GB 256 GB 160 GB
Schnittstelle SATA 6Gb/s SATA 6Gb/s SATA 6Gb/s SATA 3Gb/s
UVP (USA) $584 $284 $500 $400

Die Performance des 120 GB-Modells soll laut Datenblatt spürbar geringer ausfallen, wobei sich die Frage stellt, woran das liegt. SSDs erreichen ihre beste Performance durch die Verteilung von Daten auf mehrere Flash-Kanäle. Die X25-M von Intel nutzt eine Zehn-Kanal-Architektur. Die SSD 510-Serie verwendet hingegen ein Acht-Kanal-Design.

Wahrscheinlich verwendet Intel bei seiner SSD der 510-Serie mit 120 GB halb soviele der gleichen NAND-Module. In alltäglichen Umgebungen müsste man daher zahlreiche gleichzeitige Kommandos an das Laufwerk senden, um zeigen zu können, wie sich die beiden Laufwerke unterscheiden – dabei werden wir in Kürze sehen, dass das sowieso nicht gerade die Umgebungen sind, in denen sich diese SSD wohlfühlt.

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